Interview mit unserem Juror Carsten Reetz

Ingo Stefes

Carsten Reetz hat viele Jahre in Düsseldorf gelebt und gearbeitet. Mittlerweile lebt er in Berlin, ist Managing Director bei der HR Kloepfel Solutions GmbH und investiert in Startups. Wir haben mit Carsten ein spannendes Gespräch über sein Engagement als Juror beim Startup Sprint geführt sowie über seine beruflichen Projekte und Investments.

Kannst du in der Länge eines Tweets beschreiben, was Du mit deinem Team machst?

Wir sind Experten für alle Themen rund um Vergütung/Payroll und der zugehörigen Prozesse im Mittelstand und decken neben dem BWL Ansatz auch den Bereich Arbeits- und Steuerrecht ab.

Was sind deine typische Kunden?

Mittelständische Unternehmen ab 250 Mitarbeitern, häufig aus den Bereichen Handel und FMCG. Aktuell beraten wir aber auch produzierende Unternehmen wie den Marktführer für Bodenbelege und einen Hersteller von Folien mit über 1.300 Mitarbeitern. Wir haben z.B. Valensina und Alete unterstützt und beraten aktuell mit dem Bünting Konzern und KIK zwei namhafte Händler mit 14.000 bzw. 23.000 Mitarbeitern in Deutschland. Im digitalen Bereich ist sicherlich Scout24 unser bekanntester Mandant.

Und welche Rolle spielen Startups für Euch? Habt ihr Kooperationen mit Startups, beratet ihr vielleicht auch Startups?

Vergütung/Payroll ist am Ende das Ergebnis aus unzählig vielen Einzelthemen, vom Recruiting Tool oder der Zeiterfassung über Reiskostenabrechnung bis hin zur digitalen Personalakte. Nicht zu vergessen Themen wie E-Bike, Mitarbeiterbenefits über Prepaidkarten oder die allseits bekannten Essensschecks. Wir haben also unzählige Anknüpfungspunkte, denn viele Felder sind durch Startups belegt und wir sind sehr nah am Markt um unsere Mandanten optimal zu beraten.

Beratend sind wir auch tätig, so habe ich zuletzt die Vergütung für ein Startup im Bereich Synchronsprecher, in Berlin werden 80% aller Filme, Serien und Co. synchronisiert, optimiert. Was wir immer wieder im Startupumfeld feststellen ist, dass sich über HR Strukturen erst sehr spät Gedanken gemacht wird. Entweder wenn die Firma in kürzester Zeit von 10 auf 100 Mitarbeiter wächst oder durch eine DueDilligience Fragen aufkamen, die für einen Investor wichtig sind, aber man sich dazu noch gar keine Gedankengemacht hat.

Aus meinem Umfeld kommen natürlich auch immer mal Fragen wie man das ein oder andere Thema im HR Bereich angehen kann– da helfen wir gernweiter auch ohne ein echtes Mandat.

Du bist Co-Founder und Geschäftsführer, kannst du dein Daily Business beschreiben, Was sind typische Aufgaben?

Meine Stärken liegen sicherlich im Vertrieb, ich bin also häufig unterwegs und kümmere mich um die Kunden von morgen. Im Projekt selbst übernehme ich aber auch häufig die Rolle des Projektleiters, bin also mit meinem Team ganz tief in den Themen und sitze auch mal einige Stunden vor einer Ausarbeitung. Das Spannende an meinem Job ist die Vielfalt. An einem Tag verhandle ich mit dem Vorstand eines Konzerns, am nächsten Tag bin ich Vermittler zwischen Verdi, einem Betriebsrat und unserem Mandanten, um einen optimalen Haustarifvertrag zu verhandeln. Am nächsten Tag erarbeite ich mit einem HR Department und unseren Juristen die Neustrukturierung ihrerVergütungsstruktur. Hinzu kommt noch, dass sich der Markt aktuell sehr stark bewegt; es vergeht also kein Tag, wo ich nicht überlege, wie sich die Firma in Zukunft weiterentwickeln könnte.

Erzähl uns doch mal etwas über dich ganz persönlich. Wie bist du zu Kloepfel gekommen, wie ist dein Karriereweg bis hierher verlaufen?

Ich arbeite seit ich 14 bin. Damals war die Kirchenzeitung mein Produkt und das Dorf in dem ich aufgewachsen bin, mein Vertriebsgebiet. Nach dem Abitur bin ich im Immobilienbereich gestartet, nach der kfm. Ausbildung ging es dann recht überraschend durch eine Empfehlung in eine internationale Bank. Dort habe ich vermögende Kunden beraten, um danach für ein tolles Maklerhaus den Standort Düsseldorf aufzubauen. Währenddessen habe ich dann ander EBS in Oestrich-Winkel, wo ja auch das ein oder andere Startup seinen Ursprung hat, in einem Executive Programm Finanzökonomie studiert. Bis dahin lief alles wunderbar, einen kurzen Downer gab es als externer Geschäftsführer eines Familienunternehmens – das hat leider gar nicht funktioniert und mir deutlich gezeigt, dass es nicht immer nur rosig sein kann. Mit der Erfahrung habe ich mich dann entschlossen, was Eigenes zuversuchen und so ergab sich dann die Chance, gemeinsam mit Marc Kloepfel die HRS zu gründen.

Du hast uns im Vorgespräch gesagt, dass du selber auch in Startups investierst,  Wie kam es dazu?

Begonnen hat es mit einer HR Personalmanagement-Software, welches wir bei KHRS empfohlen haben und ich davon absolut überzeugt war. Als sich die Chance bot, einzusteigen, habe ich nicht lange überlegen müssen. Es macht schon Sinn, sich dort zu beteiligen, wo man sich auskennt und zuhause fühlt und der Maxime bin ich treu geblieben.

Employer Branding ist eines der Leistungsangebote von Kloepfel. Damit helft ihr Unternehmen, die qualifiziertesten Mitarbeiter zu finden. Startups haben es dabei natürlich sehr viel schwerer. Aber wie können Startups in diesem Wettbewerb aus deiner Sicht bestehen?

Nun ja, wir bei KHRS sind ja selbst ein Startup und weiterhin eine kleine Boutiqueberatung. Von daher kann ich sagen, dass meine Kollegen bei uns arbeiten, weil Sie wirklich mitgestalten können und ganz nah dran am Puls des Unternehmens sind. Das ist für mich essentiell, um Mitarbeiter motiviert zu halten. Besonders in kleinen Teams darf es keinen geben, der nicht zu 100% mitzieht.

Was sind aus deiner Experten-Sicht Argumente, die für eine Karriere in einem Startup statt in einem großen, etablierten Unternehmen sprechen?

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es mich sehr weitergebracht hat, in beiden Welten aktiv gewesen zu sein. Und was konkret für ein Startup spricht – Du kannst mit dem Geschäftsführer über Shares sprechen – das wird Dir bei einem Konzern eher nicht gelingen. 😉

Lass uns doch einmal auf die konkrete Gründung eingehen. Hast du ein paar Ratschläge, die du Menschen mit auf den Weg geben möchtest, die ein Unternehmen gründen wollen?

Oh je, sicherlich nichts, was man nicht in zig Ratgebern schon lesen kann 😉 Also was gebe ich auf den Weg – viel lesen, es gibt wirklich tolle Literatur zu dem Thema. Mein Highlight: Lean Startup von Eric Ries und als Motivation die Gründerstory von Sam Walton.

Lass uns zum Abschluss noch einmal auf den Startup Sprint eingehen. Worauf wirst du als Juror besonders achten?

Neben vielen Zahlen-Daten-Fakten und der Vision ganz sicherlich sehr intensiv auf das Feuer in den Augen der Gründer 😉

Carsten, vielen Dank für das sehr spannende Gespräch. Wir freuen uns auf dich beim Startup Sprint.